Entwurf Musterkirche


Längsschnitt durch den neuen Entwurf

Zum Entwurf schreibt das Architekten-Team:

Der vorliegende Entwurf für die Neugestaltung des Innenraumes der Schlosskirche Beuggen verleiht dem Raumpaar "Kirchensaal und Oratorium" erneut Kontur. Das historisch ursprüngliche Konzept sah deren räumliche Trennung vor. Darüber kann auch die im 18. Jahrhundert erfolgte Öffnung des Chorbogens zu Gunsten eines langgestreckten Kirchenschiffes nicht hinwegtäuschen. Die beiden strukturell verwandten Räume sollen in Zukunft wieder in ihrem unterschiedlichen Charakter gestärkt werden, um einerseits einen Ort für das gemeinschaftliche Gebet andererseits einen Ort für die individuelle Andacht zu schaffen.




Blick in die Kirche bei Tageslicht

Unter Beibehalt der räumlichen Verbindung wird die Orgel in den Chorbogen gesetzt. Ihre Position und Gestalt lässt zwei hohe Durchgänge frei, die bei Bedarf geschlossen werden können. Das durchgängige Bodenniveau lädt ein zum stufenlosen Durchschreiten der beiden Kirchenräume. Die Orgel interpretiert mit ihrer gefalteten Geometrie das Thema des barocken, illusionistischen Raumabschlusses auf zeitgenössische Weise. Der Orgel kommt eine zentrale Lage zu, was der Schlosskirche als Haus der Musik gerecht wird. Ihr vorgelagert spannen Ambo, Altar und Osterkerze das neue liturgische Zentrum auf. Durch den Abbruch der bestehenden Orgelempore wird nicht nur der Raum in seiner Klarheit unterstrichen, sondern auch der Bezug zum Schloss wieder gebührend wahrnehmbar.


Blick in die Kirche bei Nacht

Die Schlosskirche ist in ihrer räumlichen Anlage symmetrisch, erführt jedoch durch den seitlichen Zugang einen Akzent. Die leicht asymmetrische Setzung der neuen Kirchenbänke schafft ein neues Gleichgewicht und räumt dem Eintreten in den Kirchenraum den angemessenen Platz ein.
Nach der Erteilung des Planungsauftrags an die Architekten wurden Wünsche der Nutzergruppen am 9. Juni 2010 mit dem Entwurf abgeglichen. Dabei gab es einige Änderungswünsche.
Der Altar wird mehr von der Orgel entfernt platziert, so dass er stärker in der Mitte des liturgischen Zentrums zu finden ist.
Der Spieltisch für die Orgel wird auf die Seite des Kirchenschiffes verlegt, jedoch soweit wie möglich in den Fuß der Orgel eingefügt. Die Grafik unten gibt diesen Aspekt wieder./FRO


Der neue Grundriss

Atmosphäre und Oberfläche

Der große Kirchensaal ist als heller, offener Raum angelegt.
Er wird durch die kunstvoll gestaltete Decke bestimmt. Das Deckenfresco wird nicht als historisches Dekor verstanden, sondern als zeitgemäßes Medium zur Übermittlung einer Botschaft. Die Farben des Gemäldes und der aufgemalten Wandgliederung finden sich - in ihrer Buntheit reduziert - als Synthese in den neu hinzugekommen Elementen wieder. Kirchenbänke und Eingang sind aus schlichtem, hell lasierten Fichtenholz; Altar, Ambo und Kerzenständer aus edlem, dunkelrotem Birnbaum gefügt. Der Raum richtet sich aus auf das liturgische Zentrum, das visuell von der im Hintergrund stehenden Orgel gehalten wird.
Das wiedergewonnene Oratorium vermittelt durch gedämpftes Licht Geborgenheit und Ruhe und lädt ein zum kontemplativen Gebet, sei es in kleiner Gemeinschaft oder alleine. Der vorhandene Altarstein wird von seinem Untergestell befreit und auf eine Höhe abgesenkt, die dem eines kniend Betenden entspricht. Der Fürbittentisch zur Linken und der Lichtertisch zur Rechten sind ebenfalls aus Stein gefertigt. Das Wandbild des St. Michael wird mit einem Tuch verhüllt.
Zum ruhigen Eindruck beider Räume trägt der neue Boden aus einfachen Sandsteinplatten bei.


Stand 10.06.2010